Brandon und Shauna

 

 

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Nachdenklich stand die alte Dame oberhalb des Strandes und blickte auf die junge Frau, die dort unten seit Stunden saß und aufs Meer schaute.

Wer war sie? Hieß sie wirklich Fiona Finnegal oder konnte es sein…?

Wenn man bedachte, wie viel Zeit inzwischen vergangen war. Sieben Jahre. Das Alter kam also hin. Und das Aussehen?

Dunkelrote Haare und diese smaragdgrünen Augen…Konnte es wirklich Zufall sein?

Sie war jetzt seit einer Woche hier, um Urlaub zu machen. Seit sie die junge Frau gesehen hatte, überlegte sie.

Sollte sie Brandon anrufen? Aber was, wenn sie sich irrte? Sie hatte versucht, etwas über die junge Frau in Erfahrung zu bringen, aber alle in dem kleinen Ort schwiegen.

Fiona? Sie leitet die Ferienanlage. Seit wann? Och…schon lange. Verheiratet? Nein, sie lebt für die Anlage, ihre Blumen und die Kinder. Sie bezahlt die Schulbücher und andere Dinge für das Waisenhaus. Sie ist immer dort, wo sie gebraucht wird.“

Niemand verriet ihr, wo die junge Frau wohnte. Die junge Frau selber war höflich aber sehr zurückhaltend.

Jeden Abend kam sie zum Strand und saß dort stundenlang.

Die alte Dame zog ihre Jacke enger um sich. Sie fror, trotzdem die Frau am Strand nur ein leichtes Sommerkleid trug und sich kaum bewegte. Sie strich nur hin und wieder ihre Haare aus dem Gesicht, die der böige Wind erfasst hatte.

Die alte Dame beschloss zurück zu ihrem Ferienhaus zu gehen und Brandon anzurufen.

Was konnte denn schon passieren? Entweder sie irrte sich oder sie würde Schicksal spielen…

 

Fiona wusste, dass die alte Dame sie seit Tagen beobachtete.

Wer war sie? Und warum erkundigte sie sich überall nach ihr? Nicht, dass sie bedrohlich wirkte, aber seltsam war es schon.

Fiona wollte keine Aufmerksamkeit, sondern einfach nur Ruhe und Frieden. Zum Glück würde niemand aus dem kleinen Ort etwas erzählen. Hier konnte sie sich sicher fühlen.

Trotzdem fühlte sie sich unwohl bei dem Gedanken daran, dass sie morgen die Blumenbeete in der Anlage fertigmachen wollte.

Sie stand auf und wandte sich zum Gehen.

Sie würde das meiste eben gleich in der Frühe machen, wenn alle noch schliefen und den Rest, wenn alle Gäste zum Abendessen gingen. Danach wäre innerhalb der Anlage nicht mehr viel zu tun und die alte Dame hatte nur für zwei Wochen gebucht.

 

Während Fiona nach Hause ging, telefonierte die alte Dame.

Brandon, warum kommst du nicht für zwei Tage her? Du kannst doch auch ein bisschen Ruhe gebrauchen. Es ist wirklich schön hier. Komm einfach her, aber lass deine Freundin zuhause. Hier ist kein Fünf-Sterne-Hotel.“ Schmunzelnd hörte sie der sonoren Stimme am anderen Ende der Leitung zu.

Thelma, letzte Woche hast du mir erklärt, du willst mal zwei Wochen Ruhe vor mir haben. Und jetzt erwartest du, dass ich hier alles stehen und liegen lasse und dich besuche? Was hast du vor?“

Brandon, ich mache mir doch nur Sorgen mein Junge. Du solltest dir mal ein bisschen Erholung gönnen. Wann warst du das letzte Mal im Urlaub? Und ich rede jetzt nicht von den Shopping-Touren mit Blondie-Chloe. Es geht doch nur um zwei Tage. Jetzt rede dich da nicht raus. Ich erwarte dich morgen Mittag hier zum Essen.“

Sie lächelte, als sie den Hörer auflegte. Brandon würde zwar fluchen, aber er würde morgen Mittag hier sein.

 

Ihr Gesprächspartner hingegen legte stirnrunzelnd den Hörer auf.

Was war bloß mit Thelma los? Fing sie jetzt an seltsam zu werden? Ok, sie war schon 70, aber es war schon eigenartig. Warum wollte sie, dass er kam? War sie vielleicht krank?

Auf die Begründung morgen war er gespannt. Verdammt, er würde Chloe erklären müssen, dass er sie nicht zu der Party begleiten konnte. Vermutlich würde sie dann mindestens zwei Wochen schmollen.

Zufrieden schaute Fiona auf die Blumenrabatten. Es hatte zwar länger gedauert, als sie gedacht hatte, aber die Arbeit hatte sich gelohnt.

Sie nahm ihre Gartengeräte und die Gießkanne und brachte alles zum Schuppen.

Als ein Auto vorfuhr, schaute sie hinaus. Wer konnte denn das sein? Soweit sie wusste, wurden heute keine Gäste erwartet.

Beim Anblick des Mannes, der aus dem Wagen stieg, wich sie unwillkürlich in den Schuppen zurück.

Das konnte nicht sein! Sie versuchte sich einzureden, dass sie sich getäuscht hatte, als sie eine wohlbekannte Stimme hörte.

Thelma! Ich hoffe, du hast eine gute Begründung dafür, dass du mich hierher gelockt hast.“

Ihre letzte Hoffnung wurde jäh zerstört, als sie nun die alte Dame hörte.

Brandon, mein Junge. Ich hatte einfach nur Sehnsucht nach dir.“

Auch das Lachen, welches nun folgte, kannte sie nur zu gut.

Nachdem du mich noch vor wenigen Tagen verflucht hast? Thelma, wer soll dir das glauben?“

Die beiden verschwanden in dem Ferienhaus und Fiona saß zitternd im Schuppen.

Warum war er hier? Was wusste er? War es nur ein Zufall? Sam kam in den Schuppen und sah sie dort sitzen.

Hey Kleine, was ist los?“

Sam, der Mann, der gerade angekommen ist. Wer ist das?“ „Das ist ein Gast von Mrs. O´Lancey. Sie hat ihn gestern Abend für zwei Übernachtungen nachgemeldet.“

Sam, du musst die nächsten Tage für mich hier übernehmen. Es liegt nichts Besonderes an. Bitte kannst du das machen?“

Sam sah sie aufmerksam an.

Kennst du den Mann? Bedroht er dich?“

Sam bitte. Übernimm einfach für einige Tage….“

Fio, niemand kann dir etwas tun. Aber ok, wenn du es möchtest. Ich kümmer mich schon um alles.“

Danke Sam! Ich melde mich.“

Fiona lief zwischen den Häusern hindurch in die Felder.

Sie sah nicht mehr, dass die Tür des Ferienhauses sich öffnete und der Mann wie erstarrt in der Tür stehenblieb und ihr hinterher sah.

Er holte tief Luft und wandte sich dann an die alte Dame.

Thelma, wer war das gerade?“

Wen meinst du, Brandon?“

Die Frau, die da gerade davonläuft. Wer ist sie?“

Ach, du meinst Fiona Finnegal. Sie leitet diese Feriensiedlung. Warum fragst du?“

Ich dachte gerade….Ach egal. Thelma, ich bin gleich wieder da!“

Er ging die Stufen hinunter und wollte in Richtung Felder.

Sam stellte sich ihm in den Weg.

Wo wollen Sie hin?“ Brandon sah ihn an: „Ich möchte mit Mrs. Finnegal sprechen.“

Mrs. Finnegal hat Urlaub. Sie ist für niemanden zu sprechen. Wenn etwas sein sollte, können Sie sich an mich wenden! Ich vertrete sie.“

Brandon sah den Mann an und schaute dann der Frau hinterher, von der nur noch die roten Haare zu erkennen waren.

Er drehte um und kehrte zu Thelma zurück.

Wie wäre es, wenn du mir gleich beim Essen endlich erklärst, warum ich herkommen sollte und was hier los ist?“

 

Fiona lief währenddessen weiter. Erst als sie von der Feriensiedlung aus nicht mehr zu sehen war, wurde sie langsamer.

Er hatte sie bestimmt nicht gesehen, und selbst wenn, konnte er sich nicht sicher sein. Zwei Übernachtungen hatte Sam gesagt. Also musste sie sich nur solange von der Siedlung fernhalten. Er konnte es nicht wissen! Trotzdem musste sie etwas unternehmen. Er dufte nichts erfahren, auf keinen Fall!

Als sie endlich zuhause angekommen war, begann sie zu telefonieren. Nach fast zwei Stunden hatte sie endlich alles erledigt.

Erschöpft setzte sie sich mit einer Tasse Kakao in den Sessel. Warum? Warum tauchte er jetzt hier auf? Sie hatte hier ihren Frieden gefunden und nun drohte alles, was sie sich aufgebaut hatte zu zerbrechen. Sie hatte jetzt getan, was sie konnte. Jetzt blieb nur noch abwarten.

Den ganzen Tag hielt sie sich im Haus auf. Immer wieder sah sie aus dem Fenster, um sich zu vergewissern, dass dort niemand war.

Als es dunkel war, hielt sie es im Haus nicht mehr aus. Sie nahm eine Strickjacke und rief den Hund. Dann ging sie zum Strand hinunter. Sie setzte sich auf einen Felsen und der irische Wolfshund legte sich neben sie in den Sand.

Sie hatte schon eine ganze Weile dort gesessen, als der Hund plötzlich anfing zu knurren. Erschrocken sah sie auf. Keine fünf Meter von ihr entfernt stand ein Mann. Sie wusste sofort, dass er es war.

Shauna, du bist immer noch so leicht einzuschätzen. Du bist schon mit zwölf ans Meer geflüchtet. Du hast doch nicht geglaubt, dass ich dich nicht erkenne?“

Er kam zwei Schritte näher. Der Hund stellte sich vor die Frau und knurrte.

Lass mich in Ruhe“, sagte sie leise.

Shauna, du vergisst, dass du immer noch meine Frau bist. Was stellst du dir vor? Dass ich jetzt gehe und vergesse, dass ich dich gesehen habe? Du müsstest wissen, dass ich das garantiert nicht tun werde. Du wirst mit mir nach Hause kommen!“

Brandon lass mich doch einfach in Ruhe. Wir können uns doch scheiden lassen. Du hast doch bestimmt eine Freundin. Bitte lass mich doch einfach in Ruhe!“ sagte sie flehend.

Shauna, du weißt, dass ich mich nicht scheiden lasse. Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass ich Kinder haben will und diese Kinder werden ehelich geboren, nach Kirchenrecht!“

Ich will aber nicht wieder zurück. Lass unsere Ehe doch annullieren.“

Shauna, du wirst mitkommen. Ich brauche nur zur Polizei gehen und sagen, dass du hier unter falschem Namen lebst. Was meinst du, wie lange du hier dann noch Arbeit hast und hier leben kannst?“

Sie drehte ihm den Rücken zu.

Lass mich einfach nur in Ruhe. Ich bin nicht dein Eigentum.“

Shauna, ich gebe dir drei Tage Zeit, dann kommst du mit mir zurück. Diesmal verschwindest du nicht einfach wieder. Und da helfen dir weder dein Bodyguard aus der Anlage noch der Hund. Versuch gar nicht erst zu flüchten. Glaube mir, du würdest es bereuen. Abgesehen davon, dass ich sofort die Polizei informieren würde, habe ich auch die Möglichkeit diese Anlage aufzukaufen und dem Erdboden gleichzumachen. Ich habe mich erkundigt, finanziell steht sie nicht gerade gut da. Drei Tage, Shauna, dann will ich eine Antwort. Und glaube nicht, dass dein Gorilla dich schützen kann!“

Er drehte sich um und ging.

Shauna sah ihm nach. Sie wusste, dass der große, schwarzhaarige Mann jedes einzelne Wort ernst meinte.

Sie hatte keine Möglichkeit mehr, ihm zu entkommen. Sie musste mit ihm gehen, schon um zu verhindern, dass er begann nachzuforschen.

Es gab Sachen, die durfte er nicht erfahren. Vielleicht konnte sie ihn ja doch überreden, sich scheiden zu lassen. Oder sie fand einen anderen Weg.

Langsam ging sie zurück nach Hause. Schlaflos lag sie wach, bis sie morgens endlich zu einem Entschluss gekommen war.

 

Sorgfältig machte sie sich nach der schlaflosen Nacht zurecht.

Dann ging sie hinunter in die Siedlung und klopfte an die Tür des Ferienhauses. Brandon öffnete.

Kannst du bitte nach vorne in mein Büro kommen?“ fragte sie, „ich bin die nächsten zwei Stunden dort.“

Warum kommst du nicht herein? Wir können auch hier sprechen.“

Sie schüttelte den Kopf.

Nein. In meinem Büro.“

Wovor hast du Angst? Ich bin hier nicht alleine und werde schon nicht über dich herfallen.“

Sie wandte sich zum Gehen.

In meinem Büro!“

Im Weggehen hörte sie noch sein spöttisches Lachen.

Auf dem Weg zum Büro kam Sam ihr entgegen.

Hey Fio. Ich dachte, du wolltest einige Tage freimachen?“

Sam, er ist mein Mann.“

Verblüfft blickte er zu dem Haus.

Und jetzt?“

Jetzt muss ich eine Weile weg. Ich weiß, nicht wie lange, aber es steht zu viel auf dem Spiel.“

Weiß er…?“ Sam schaute sie an.

Nein! Und er darf es auch nicht erfahren. Ich habe mit Eliza gesprochen. Ich werde versuchen zwischendurch zu kommen. Ihr könnt das hier alleine schaffen. Wenn das Geld von der Versicherung da ist, lässt du alle Reparaturen machen, die auf der Liste stehen.“

Kleines, du musst nicht gehen! Du weißt, dass wir alle dir helfen.“

Sie hatte Tränen in den Augen, als sie ihm antwortete. „Doch, ich muss gehen. Du hast keine Ahnung, wozu er fähig ist. Ich werde einen anderen Weg finden.“

Sam nahm sie in den Arm.

Alle stehen hinter dir, vergiss das nicht.“

Shauna lehnte sich einen Moment an ihn.

Ich bin froh, dass ich euch alle habe.“

Wie rührend!“ ertönte hinter ihnen eine dunkle Stimme, „hast du jetzt eventuell Zeit für mich?“

Shauna rückte von Sam ab.

Wir sehen uns nachher noch.“

Dann sah sie Brandon an.

Wir können jetzt in mein Büro gehen.“

Mit erhobenem Kopf ging sie voraus. Sie schloss das Büro auf und ließ ihn eintreten. Sie setzte sich hinter ihren Schreibtisch und sah ihn an.

Was muss ich tun, damit du in eine Scheidung einwilligst?“

Brandon sah sie an.

Du weißt, was ich will. Ich habe es dir gestern schon gesagt. Ich will ein Kind. Nach der Geburt können wir über die Scheidung reden.“

Lange sah sie ihn an, bevor sie schließlich nickte.

Du kannst dein Kind haben, aber ich möchte von dir eine schriftliche Erklärung, dass du alles hier in Ruhe lässt und dass du direkt nach der Geburt die Scheidung einreichst. Außerdem werde ich jeden Monat zwei Tage hierherkommen, um nach dem Rechten zu sehen.“

Hast du Angst, dass dein Liebhaber dich vergessen könnte?“

Egal, was du denkst. Sam ist ein Freund, nicht mehr und nicht weniger. Er ist ein sehr feinfühliger, sensibler Mann, der nie jemanden verletzen würde. Bist du mit der Regelung einverstanden?“

Brandon nickte.

Dann mache ich die Erklärungen fertig. Wenn du sie unterschrieben hast, brauche ich etwa eine Woche, um hier alles zu regeln. Heute Nachmittag müssten die Papiere fertig sein. Ich bin so gegen 16 Uhr wieder hier.“ „Wolltest du mir nicht mal zeigen, wo du die letzten sieben Jahre verbracht hast?“ fragte er spöttisch.

Mein Haus ist für dich tabu!!“ entgegnete sie heftig, „wage es nicht, dorthin zu kommen. Du hast mir schon einmal ein Zuhause zerstört. Du wirst dieses Haus nicht betreten!“

Sieh mal einer an, du hast ja doch noch Temperament. Ich dachte schon, du wärst jetzt zu einem Eisblock erstarrt.“

Sie wandte ihm den Rücken zu.

Ich bin um 16 Uhr wieder hier“, sagte er im Hinausgehen.

Shauna wartete eine Weile, dann rief sie ihren Anwalt an und bat ihn zu kommen. Anschließend sah sie die Papiere durch und schrieb für Sam auf, was in der nächsten Zeit alles erledigt werden musste.

Als Mittags endlich alles erledigt war, stellte sie sich ans Fenster und sah hinaus.

Das alles hier war in den letzten Jahren ihr Zuhause geworden. Sie konnte nicht zulassen, dass Brandon alles zerstörte. Wenn er die Vereinbarungen unterschrieb, würde er sich auch daran halten. Zumindest, solange er nichts wusste.

Sie zitterte bei dem Gedanken daran, mit ihm zu fahren. Ein Jahr… damit musste sie rechnen. Schneller würde es kaum gehen. Und dann das Kind…. Er würde es ihr nicht lassen.

War es das wert?

Sie umfasste das Medaillon, das sie an einer Kette um den Hals trug. Ja! Dann konnte sie endlich abschließen. Sie wäre frei. Nie wieder Angst vor Entdeckung. Und Brandon hätte keine Möglichkeit mehr in ihr Leben einzugreifen.

Es klopfte an der Tür.

Ja?“ sagte sie, ohne sich umzudrehen.

Sam trat ein.

Fio, du musst etwas essen. Komm mit, dann können wir reden.“

Sie lächelte ihn an und nahm ihre Jacke. Sie mochte diesen großen Mann, dessen braunes Haar schon von grauen Strähnen durchzogen war. Er war ein Freund, ihr Fels in der Brandung. Ihm konnte sie bedingungslos vertrauen. Er würde sie vor allem beschützen, aber dieses Mal konnte er auch nichts machen.

Sie gingen in die Küche und setzten sich an einen Tisch. Prüfend sah Sam sie an.

Was will er?“

Sie schaute ihn nicht an, als sie antwortete.

Ein Kind. Vorher willigt er nicht in die Scheidung ein. Nick hat mir die Verträge fertiggemacht. Sowie das Kind geboren ist, bin ich frei. Dann ist es vorbei.“

Sam sah sie entsetzt an.

Fio, das geht nicht! Du weißt, was passieren kann wenn du….“

Bitte Sam“, unterbrach sie ihn, „es ist die einzige Möglichkeit. Glaube mir, er wird nicht aufgeben. Ich habe es mir genau überlegt. Auf diese Art gehe ich das geringste Risiko ein.“

Sie sah seinen zweifelnden Blick.

Es wird schon gut gehen. Es gibt keinen anderen Weg. Ich kann nur gewinnen. Ich muss dafür sorgen, dass er von hier verschwindet, sonst ist alles verloren.“

Sam nahm ihre Hand.

Oh Fio. Ich hoffe, du weißt, was du tust…“

 

Pünktlich um 16 Uhr stand Brandon bei ihr im Büro. Wortlos schob sie ihm die Papiere über den Tisch.

Er las sie durch und sah sie dann an.

Soso, also habe ich dann Kontakt-Verbot. Du willst das Kind dann also einfach bei mir lassen und verschwinden? Was ist mit dem Erbe deines Vaters? Du hast es mit keinem Wort erwähnt.“

Brandon, das Erbe ist mir egal. Mach damit, was du willst. Ich möchte nur, dass du für immer aus meinem Leben verschwindest. Wenn ein Kind der Preis dafür ist, dann bin ich bereit ihn zu zahlen! Du wirst schon eine Frau finden, die das Kind nach deinen Vorstellungen erzieht. Ich will nur mein Leben zurück!“

Du tust immer noch alles, um deinen Willen durchzusetzen oder? Immer noch Daddys Liebling: Ich will aber!“

Mit blitzenden Augen sah sie ihn an.

Lass meinen Vater aus dem Spiel. Wenn er geahnt hätte, was passiert, stünden wir heute nicht hier!“

Shauna, ich werde diese Verträge unterschreiben, aber eines sage ich dir: Wenn das Kind geboren ist, werde ich einen Vaterschaftstest machen lassen. Sollte es nicht mein Kind sein, ist der Vertrag hinfällig.“

Brandon unterschrieb und ging dann zur Tür.

Dort drehte er sich noch einmal um.

Ich bleibe hier, bis du Abreise bereit bist. Nur um sicherzustellen, dass du nicht einfach wieder verschwindest. Und sag deinen Beschützern, sie sollen mich in Ruhe lassen. Ich kann hier keinen Schritt mehr gehen, ohne dass mindestens einer dasteht und mich beobachtet.“

Damit ging er.

Sie sah aus dem Fenster und wirklich: Da standen gleich vier der Männer aus dem Ort und ließen Brandon nicht aus den Augen.

Seufzend rief sie nach Sam.

Sam sag allen, sie sollen ihn in Ruhe lassen. Ich möchte nicht noch mehr Probleme.“

Fio, alle machen sich Sorgen. Sie wollen dir nur helfen.“

Ich weiß, Sam. Ich bin euch auch dankbar, aber dabei kann mir niemand helfen. Bitte sag ihnen, sie sollen ihn in Ruhe lassen.“

Nachdem Sam gegangen war, räumte sie ihren Schreibtisch auf und nahm dann die Verträge. Sie fuhr damit zu ihrem Anwalt.

Nick, du hast alles, was du brauchst. Egal was passiert, halte dich bitte an alles, was wir besprochen haben. Wenn Brandon hier auftauchen sollte, gib ihm keine Auskunft. Ich werde mich regelmäßig melden.“

Nach diesem Gespräch fuhr sie nach Hause.

Sie begann ihre Sachen zu packen. Viel würde sie nicht mitnehmen. Wozu auch? Sie würde ja wiederkommen.

Es war schon fast Mitternacht, als sie sich ein Handtuch nahm und zum Strand hinunterlief.

Sie folgte der Küste bis zu einer kleinen geschützten Bucht. Normalerweise ging sie hier im Morgengrauen schwimmen, aber heute….Heute war eben alles anders.

Sie zog sich aus und sprang ins Wasser. Sie schwamm hinaus und tauchte unter den Wellen durch, bis sie völlig erschöpft war. Dann ließ sie sich treiben und sah hinauf in den Sternenhimmel.

Oberhalb der Bucht stand Brandon an einen Baum gelehnt und beobachtete sie nachdenklich. Sie war erwachsen geworden. Die Figur war fraulicher als vor sieben Jahren, aber man sah ihr immer noch an, dass sie viel Sport betrieb. Er würde jede Wette eingehen, dass sie immer noch jeden Morgen schwimmen ging.

Warum war sie so schnell auf seine Bedingungen eingegangen? Was hatte sie zu verbergen? Es war einfach nicht ihre Art so aufzugeben.

Er hätte erwartet, dass sie versuchen würde zu flüchten oder zumindest zu kämpfen. Aber sie hatte einfach klein beigegeben. Was bezweckte sie damit? Wollte sie ihn nur in Sicherheit wiegen, um dann wieder zu verschwinden? Dieses Mal würde ihr das nicht gelingen.

Shauna kam aus dem Wasser und griff nach ihrem Handtuch. Sie wickelte sich darin ein und begann dann die langen Haare zu einem Zopf zu flechten.

Schließlich hob sie ihre Sachen auf und ging langsam den kleinen Weg entlang zu ihrem Haus. Brandon wäre ihr gerne gefolgt, aber er blieb im Schatten der Bäume stehen und sah ihr nach…

In den nächsten Tagen sah Brandon Shauna tagsüber gar nicht mehr. Jede Nacht beobachtete er sie beim Schwimmen. Tagsüber gingen immer wieder Leute aus dem Dorf zu ihrem Haus. Überhaupt schienen sich die Dorfkinder ständig bei ihr aufzuhalten. Der Einzige, der regelmäßig zu ihr kam, war dieser Sam.

Er war es auch, der ihre Sachen zu ihm brachte. Misstrauisch sahen die Männer sich an.

Wagen Sie es nicht, Fiona zu verletzen!“ sagte Sam finster, „egal wer Sie sind und welche Macht Sie haben, wenn Sie ihr wehtun, werde ich Sie finden!“

Brandon blickte ihn an.

Sie heißt Shauna und sie ist meine Frau! Unsere Ehe geht Sie überhaupt nichts an!“

Für mich ist und bleibt sie Fiona. Ich kann mich nur wiederholen: Tun Sie ihr nicht weh, sonst werden Sie mich anders erleben. Ich kann Fiona nicht davon abbringen mit Ihnen zu gehen, aber sie wird hier immer Freunde haben, die sie beschützen werden!“

Er drehte sich um und ging.

Nach einer Woche kam ein kleines Mädchen zu Brandon: „Ich soll fragen, wann Tante Fiona zur Abfahrt bereit sein soll.“

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